Ungewissheit und Angst
Morgen bekommen wir also eine Antwort, ob das, wie real das ist, was wir in den letzten Tagen erlebt, gespürt, wahrgenommen haben. Und die Angst ist da, dass es nicht so weitergeht, wie erhofft. Ja, dass diese Welt, die sich da kurz für uns geöffnet hat, wieder verschwindet und wir uns ihr so nicht wieder nähern können. Denn uns ist beiden klar, dass es bei diesem einen Versuch bleiben wird, bei dieser einen Chance, denn die Behandlung, die Vorbereitung war sehr anstrengend für sie und auch die finanzielle Bürde ist nicht zu unterschätzen und war deutlich höher als zunächst erwartet. Und wir haben beide das Gefühl, wir haben alles getan was in unserer Macht stand, damit es funktioniert, mithin glauben wir beide nicht, dass ein zweiter Versuch anders ausgehen wird als der erste. Die Statistik sagt zwar etwas anderes, aber Statistiken sind Statistiken, was für den Einzelfall gilt, ergibt sich daraus nicht.
Und noch etwas zweites spielt mit hinein bei der Angst: Die Angst sich zu blamieren mit all diesen Wahrnehmungen, die davon künden, dass es funktioniert. Wahrnehmungen, die über das hinaus gehen, was die meisten Menschen für wahrnehmbar halten. Sich hinstellen und davon zu reden, dass ich diese Wahrnehmungen für real halte, so real, wie andere Menschen den Schmerz, wenn sie sich am Tischbein stoßen, und dann als Ergebnis zu bekommen, es war wohl doch nur Einbildung, allein die Vorstellung schmerzt.
Und ich möchte gern diese Freude, diese Spannung, diese Innigkeit im Zusammensein mit meiner Freundin noch ein wenig behalten, mich von der Vorfreude auf das, was da kommen will, durchfluten lassen und von dem wundervollen Gefühl, Vater zu werden.
Und je mehr ich davon schreibe, um so kleiner wird der Schmerz, wird die Angst, dass es so kommen könnte und die Dankbarkeit, es überhaupt zu erleben wächst wieder.

