Freitag, 27. April 2007

Vergeblichkeit

Was nun? Ich weiss es nicht! Die Ausrichtung auf dieses Ziel ist dahin. Und die Frage stellt sich uns beiden, ob wir noch mehr hätten tun können. Und natürlich ist da noch mehr was wir hätten tun können, nun hätte es etwas genutzt? Wir haben uns davon leiten lassen, was für uns stimmig war und nun hat es nicht funktioniert. Wie weit funktioniert denn dann so etwas? Wie weit dürfen wir unseren Gefühlen trauen (ich wiederhole mich), was bedeutet das? Wir schöpfen unsere Wirklichkeit. Welche Wirklichkeit haben wir beide denn nun geschöpft? Die, in der wir ein Kind bekommen oder die, in der wir kein Kind bekommen. Wie real ist unsere Schöpfungskraft denn dann?

Und da ich mag jetzt keine spirituellen Ratschläge und Erklärungen hören, warum es nun so und nicht anders gekommen ist, warum es so kommen musste. Das Universum schenkt uns, was wir brauchen, es sorgt in jedem Augenblick für uns, nein, das kann ich jetzt nicht glauben!!! ... und das war vorhin mein Empfinden, jetzt ist der Zorn, der Trotz schon wieder verraucht und die Asche der Trauer liegt auf meiner Seele, auf unseren Seelen.

Die Erfahrung, die Erfahrungen mit dieser Situation sind auch eine gute Schule, ... und ich hätte lieber eine andere Erfahrung gemacht, die Erfahrung von Glück, die Erfahrung von Erfüllung.

Und ich bin traurig, denn die Gaben, die wir haben für unsere Tochter finden nun keinen Ausdruck, finden eben keine Tochter, die sich daran erfreuen kann.

Und schreiben beruhigt mich ein wenig. Laufe ich vor dem Schmerz davon oder verwandele ich ihn, so dass mir die Kraft wieder zufließen kann. Ich weiß es nicht. Etwas habe ich das Gefühl, die meisten Dinge sind nicht mitteilbar, die sich gerade bei uns ereignen.

Aus

"Da muss ich ihnen leider mitteilen, dass der Test negativ war. Trotzdem ein schönes Wochenende". Und jetzt? Was ist los? Kann das sein, darf das sein nach allem was wir gemacht, was wir erlebt haben? Die Nachricht bekamen wir um halb fünf. Wir setzten uns zunächst, es dauerte, bis wirklich ankam, was wir da gerade gehört hatten!

Dann setzte der Schmerz langsam ein und wir klammerten uns, auf dem Bett liegend aneinander um ums nicht zu verlieren. So fühlt es sich an, und mir ist, als könnte ich das Gefühl, diese Enttäuschung noch gar nicht richtig zulassen, auch jetzt fast fünf Stunden später noch nicht. Es war eine Überraschung, denn es fühlte sich ganz danach an, als ob es funktioniert habe. Wie weit können wir unseren Gefühlen trauen? Wie weit können wir dem trauen, was andere Menschen zu uns sagen, was sie sehen? Die Welt hat einen Riss bekommen!

Und ich verstehe jetzt Menschen, die aus dieser Realität aussteigen, weil sie zu schmerzhaft für sie ist - damit meine ich nicht Selbstmörder, sondern Menschen, die zwar hier sind aber offenbar in einer anderen Realität leben als die, in der wir leben. Und die Versuchung, so einen Platz zu suchen war für eine Weile da, ... oder tatsächlich zu gehen: Alles ist sinnlos geworden, leer, der Kompaß für unser Leben, für die nächste Zeit ist uns aus der Hand gefallen, aus der Hand geschlagen worden.

Wir haben nun Monate darauf hin gelebt, dass wir ein Kind miteinander haben werden - natürlich wissend, dass es nicht planbar ist und dass wir Glück oder was auch immer benötigen, damit es Wirklichkeit wird... und alles schien bereit zu sein, und es schien zu werden. Und nun ist es zu Ende.

Nachtgedanken

... und vor dem schlafengehen gingen uns verschiedene ganz unterschiedliche Gedanken durch den Kopf

* es würde uns sehr sehr sehr überraschen, wenn es nicht klappen würde, nicht nur, weil wir so anders spüren, sondern auch, weil sich meine Freundin so anders fühlt und so vieles auf eine Schwangerschaft hindeutet, die ungewöhnlichen Schmerzen, die Gebärmutter hat, so weit es fühlbar ist eine andere Form... Und es wirkt alles so real auf uns, es kann gar nicht anders sein!

* wenn es klappt, werden wir ziemlich stolz sein darauf, dass es geklappt hat, was wir geleistet haben. Und mir fällt es schwer, dass wirklich zuzugeben. "Stolz auf was?" mag mancher Fragen. Und doch: Wir haben es gewagt, wir sind diesen Weg gegangen mit seinen Unsicherheiten und wir haben uns immer wieder darauf eingelassen, Dinge zu tun, die den Prozess unterstützen, auch wenn diese für viele Menschen sehr seltsam wirken.

* die Kerze ist fast heruntergebrannt und sie soll nicht ausbrennen, also haben wir nun diese abenteuerlich geformte neue Kerze aufgestellt.

* ich habe das Gefühl, nun ist unsere Tochter wirklich in ihrem Bauch, es ist noch dichter, sie ist bei uns. Das Zentrum der Aufmerksamkeit, wenn ich an sie denke ist nicht mehr der Altar, sondern bei uns im Bett. Und wir beide spüren ein Kraftfeld um ihren Bauch, welches sich weit über ihren Körper hinaus erstreckt. Ich fühle es in meinem Körper mit der zugewandten Seite. Überhaupt war die Karte "Klarfühlen" wie ein Wegweiser für die beiden letzten Tage. Meine Gefühle, mein Gespür auf körperlicher Ebene hat sich noch mal stark verfeinert. Gestern am Telefon sogar über die räumliche Distanz hinweg.

* Ich möchte, dass dieses Abenteuer weitergeht! Ich möchte weiter erleben, wie sich da etwas formt und ich es erspüren kann. Dieses Abenteuer ist gerade das wichtigste und wundervollste (wirklich voller Wunder) in meinem Leben. Ich bitte darum, dass es weiter für uns da ist.

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