Samstag, 28. April 2007

Entspannung

Wir waren auf dem Markt um uns für das Wochenende zu versorgen. Und wieder das Gefühl, dass die Welt gerade zu schnell, zu grob, zu viel für uns ist. Und es dauerte lange, bis wir endlich ein schönes Frühstück auf dem Balkon hatten. Und mich beruhigt es, etwas in der Küche zu tun, abzuwaschen, aufzuräumen, irgendwie in den Alltag zu kommen. Auch Lesen über Weltzusammenhänge (das neue Kursbuch) oder ähnliches. Es beruhigt und lenkt mich von dem Schmerz ab, der im Untergrund da ist. Laufe ich vor meine Schmerz nur weg? Im Grund ist es mir egal, was jemand darüber sagen könnte, mir tut diese Entspannung gut, wenn der Geist mit anderen Dingen beschäftigt ist.

Und langsam kommt etwas Entspannung, wir beginnen wieder zu lachen, vorsichtig noch und die Trauer schwebt im Hintergrund, aber die tiefe Verzweifelung wird weniger. Und wir haben die Hoffnung doch noch nicht aufgegeben - und Angst uns damit lächerlich zu machen.

Und ich habe keine Ahnung, ob wir die Erkenntnis, dass es nicht funktioniert hat, wirklich integriert haben, oder ob wir sie gerade erst mal vergessen. Und vielleicht ist es beides: Die Erkenntnis dominiert nicht mehr unser Erleben, aber wir wissen um sie, und es braucht einfach auch Zeit, das Wissen ganz in uns aufzunehmen und zu entscheiden, wie wir mit der neuen Situation umgehen.

Nicht von dieser Welt - Versuch einer Erklärung

Meine Freundin erzählte, der spirituelle Lehrer Thomas Hübl habe einmal geschildert, wenn eine Gemeinschaft überzeugt sei, dass Levitation möglich sei, und wirklich die gesamte Gemeinschaft davon überzeugt sei, so wäre es für die Menschen in dieser Gemeinschaft möglich. Komme diese Gemeinschaft aber dann in die Welt, in der die meisten Menschen von der Ummöglichkeit der Levitation überzeugt sind, so wird die Levitation nicht möglich sein, d.h. es wird auch nicht möglich sein, einen Beweis dafür zu erbringen, eben weil die Welt so stark ist.

Wir waren ganz davon überzeugt, dass ein Kind in ihrem Bauch ist, wir waren sicher, dass es so ist, und sind dann in die Klinik gegangen - und vermutlich haben die Menschen dort nicht wirklich an die Möglichkeit bei uns geglaubt. Sie haben uns zwar gut zugeredet, aber ob sie wirklich der Meinung waren, dass es funktionieren kann? Und damit sind wir in die Gemeinschaft der Menschen, die eben nicht an die Möglichkeit glauben und haben uns damit deren Urteil unterstellt. Hätten wird nicht in die Klinik gehen sollen? Auf einer bestimmten Ebene wollten wir auch beweisen: Schaut her, es funktioniert, auch wenn ihr nicht dran glaubt, auch wenn die Wahrscheinlichkeit dagegen spricht. Das war nicht unser Hauptmotiv, und es schwang ein wenig mit. Und unsere Schöpfungskraft war offenbar nicht stark genug, um in dieser Welt zu bestehen.

Aber was war dann? Was haben wir gespürt oder anders, was ist jetzt noch davon übrig? Gibt es eine andere Wirklichkeit, und damit auch eine andere Möglichkeit für uns?

Schwarze Nacht und ein Funken Hoffnung

Wir gingen erschöpft ins Bett, erschöpft von der Enttäuschung, vom Weinen, von den Schmerzen, und ich wollte nur schlafen, wollte durch den Schlaf weggehen von dem Schmerz und schlief wirklich sehr tief und lange. Morgens wollte ich nicht aufwachen, wollte nicht wieder in diese schmerzhafte Welt, in die schmerzliche Erkenntnis eintreten. So blieben wir lange lange morgens im Bett liegen, dösend, schlafend, redend, uns unsere Gefühle mitteilend.

Wieder taucht das Gefühl tiefster Sinnlosigkeit auf: Wenn nicht für unsere Tochter, warum sollen wir dann weiterleben. Woher soll die Kraft kommen, dieses Leben fortzusetzen? Und mir wird erst klar, wie viel für mich damit verknüpft ist: Wenn ich Männer in meiner Umgebung beobachte, so sind die meisten, die wirklich Männer sind, Väter, alle anderen bleiben irgendwie Jungen. Es stimmt nicht 100%ig, und doch hat es etwas miteinander zu tun. Und schon jetzt, als sie schwanger war, hat es sich für mich anders angefühlt, ein tieferes Gefühl entstand, für uns zu sorgen, für sie, für sie beide zu sorgen. Und diese Entwicklungschance scheint nun dahin.

Noch immer nagt in uns die Frage, warum wir unseren Wahrnehmungen und auch dem, was uns von einer Seherin gesagt worden ist, und was uns tief berührt hat, wo sie über uns Dinge gesagt hat, die wir erst in dem Moment erkennen konnten, warum all dieses plötzlich nicht mehr gilt, nicht mehr gelten soll. Haben wir etwas falsch gemacht? Haben wir etwas unterlassen, was wir hätten tun müssen. Sind wir 100%ig für dieses Ziel gegangen. Und gleichzeitig: geht es wirklich darum?

Und was uns schon gestern beschäftigt hat: Wir wollen dieses Ergebnis nicht, auf einer Ebene können wir es nicht akzeptieren - und es gibt immer wieder Berichte von Menschen, die scheinbar feststehendes nicht akzeptieren wollen und durch ihre Kraft, durch ihre Energie verändern konnten, verändert haben. Ist das Testergebnis womöglich sogar falsch? Ist der Test zu früh gemacht worden? Wir wollen an diese Möglichkeit glauben, vielleicht ist das unsere Chance - und vielleicht verlängert es nur das Leiden, wenn dann die Erkenntnis, die finale Bestätigung des Misserfolgs in Form der einsetzenden Blutung kommt. Doch haben wir die Kraft, nach diesem Schock wieder etwas anderes zu erzeugen?

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