In-Vitro

Dienstag, 24. April 2007

Es ist unsere Wahl

Gestern abend erschrecken. Sie sagte beim schlafen gehen, sie bekomme die Pickel, wie sie sie bekommt  bevor die Periode einsetzt. Heisst das jetzt, dass sie nun doch ihre Periode bekommt? Bekommen wir nun die negative Antwort schon vor Freitag? Die Leichtigkeit, mit der wir vorher darüber gesprochen hatten, dass es irgendwie egal ist, war plötzlich weg. Vermutlich auch, weil wir den Traum noch ein wenig weitere träumen wollten und nicht so plötzlich, so überraschend, so hart aufgeweckt werden wollten.

Ich fühlte taub an, ungläubig, wollte mich nicht auf diese neue Wahrheit einstellen … und plötzlich kam der Gedanke: Diese Pickel sind Zeichen der hormonellen Umstellung des Körpers und auch eine beginnende Schwangerschaft ist eine hormonelle Umstellung. Ja, diese Pickel zeigen gerade an, dass sich da etwas verändert. Und ein zweiter Gedanke, eine zweite Einsicht war plötzlich da: Es ist noch alles offen und es hängt von uns ab, welche Wirklichkeit wir schaffen. Halten wir die Schwangerschaft für möglich, für Realität, so wird sie sich ereignen, halten wir es nicht, so wird sie sich nicht ereignen - und deshalb denke ich so wenig wie möglich über Wahrscheinlichkeiten nach, über die Erfahrungen, die es gibt mit künstlicher Befruchtung bei Frauen über vierzig um diese Kraft, eine andere Realität zu schaffen nicht zu untergraben.

Mit dieser Gewissheit lagen wir im Bett und sahen ihre Kerze brennen und als ich sie löschte war es für mich als bringe ich sie, unsere Tochter, ins Bett und gebe ihr eine Gute-Nacht-Kuss.

P.S: Und wir beide haben Angst uns lächerlich zu machen mit unserem Glauben an diese Schwangerschaft, mit dem Glauben an unsere Wahrnehmung, die eben nicht "wissenschaftliche Erkenntnis" ist, sondern unsere Wahrnehmung der Welt hinter der reinen Physik.

Montag, 23. April 2007

Rückblende Teil I

Nun möchte ich auch wenig davon berichten, wie dieses Abenteuer begann und warum es so verläuft und nicht ganz anders. Und wieder weiß ich nicht, wie ich anfangen soll, ja, womit ich anfangen kann.

Ein Teil der Geschichte ist, dass ich zu dem Zeitpunkt, wo man sinnvollerweise ans Kinderkriegen denken sollte, eben keine Kinder bekommen habe, ohne Frau keine Kinder um es kurz auszudrücken.

Es gab eine Zeit, wo ich mir sehr intensiv gewünscht habe Kinder zu haben - und sie zum Glück nicht bekommen habe, denn weder ihnen noch mir wäre es wohl besonders gut bekommen. Erst durch meine Entwicklung der letzten Jahre hat das, was ich jetzt lebe und erlebe möglich gemacht.

Und bei ihr war es nicht anders, auch wenn sie schon zwei nun fast erwachsene Kinder hat.

Als wir uns kennenlernten oder vielmehr als wir unsere Liebe für einander entdeckten beschäftigten mich die Fakten, dass sie bereits zwei praktisch erwachsene Kinder hat und dass sie in einem Alter ist, bei dem es heisst, dass Schwangerschaften riskant sind. Mich auf diese Liebe und eine Beziehung einlassen bedeutete für mich, dass ich wohl in meinem Leben keine Kinder mehr bekommen würde. Denn einesteils machten wir damals keine Pläne über die nächsten Tage hinaus, andererseits konnten wir uns das Leben ohne den anderen bald nicht mehr vorstellen. Und damit gab es keinen Raum für "dann halt danach".

Es war biologisch nicht ausgeschlossen, dass sie noch mehr Kinder bekommen könnte, aber meine Wahrnehmung oder vielleicht auch meine Vorstellung war, dass sie froh war, dass es vorbei war und dass sie so eine Zeit wie die beiden ersten Schwangerschaften und die oft einsame Zeit mit den beiden kleinen Kindern nie wieder erleben wollte. Und ich wollte nicht, dass sie nur mir zu Liebe einwilligt, noch einmal schwanger zu werden, ja ich wollte nicht einmal, dass sie weiss, wie groß der Wunsch tief in mir ist - und ich wusste es selbst damals nicht.

In der Zeit war der aktuelle Wunsch nicht so groß, aber die Entscheidung, damit abzuschließen war so leicht nicht. Und mein Wunsch, mit ihr zusammen zu sein, mit ihr zusammen zu leben war größer als der Wunsch, ein Kind zu haben.

Und so begann das Abenteuer, dieses Abenteuer, von dem wir beide damals noch nichts ahnten.

Neue Freiheit

Ursprünglich sollte der Schwangerschaftstest am nächsten Montag sein, d.h. noch ein Wochenende warten ... und damit wirklich warten, warten, warten, denn es würde uns beschäftigen die ganze Zeit und die Gedanken, Befürchtungen, Hoffnungen in Schwung halten. Und nun können wir das schon am Freitag tun und werden dann, im Laufe des Freitags das Ergebnis bekommen.

Als Sie mir das erzählte war ich erleichtert und doch auch beunruhigt, denn ich wollte Freitag gern noch richtig arbeiten, auch weil ich gerne Montag Urlaub machen will und es noch viel zu tun gibt bis zu Monatsende.

Und für uns beide stellt sich gerade das Gefühl ein, unabhängig davon, was das Ergebnis sein wird, wir werden Freitag abend feiern, werden essen gehen und es uns gut gehen lassen, wie wir es schon einige Male nach Erlebnissen mit der Klinik gemacht haben. Wenn es nicht das ist, was wir uns beide aus tiefstem Herzen wünschen, dann ist es das nicht und wir werden damit leben und damit leben können. Es würde Trauer sein und Enttäuschung - und manchmal ein taubes Gefühl und wir würden nach vorn blicken, zu dem, was da für uns ist trotzdem.
Und wenn die Nachricht die ersehnte ist, so werden wir jubeln, feiern uns daran erfreuen, werden endlich uns wirklich auf dieses Gefühl einlassen dürfen, baden darin, wovon wir bisher immer nur heimlich genippt haben.

Ritual und Kartenorakel

Wir haben einen kleinen Altar für unser Kind und das wichtigste dieses Altars ist ihre Kerze - wir haben das Gefühl, es wird ein Mädchen.

Diese Kerze hat sie zu Weihnachten bekommen. Wir haben es uns nicht ausgedacht, sondern ich hatte wunderschöne Bienenwachskerzen als Weihnachtsgeschenke gekauft und diese Kerze blieb übrig, oder vielmehr: Als ich sie kaufte, wusste ich, dass ich sie für jemand bestimmten kaufen würde, nur wusste ich nicht für wen. Beim Einpacken der Geschenke war es plötzlich klar: Diese Karte ist für sie … und wir haben diese Kerze angezündet am Tag nach der Entnahme der Ei-Zellen und fast die ganze Nacht brennen lassen. Seither haben wir diese Kerze immer in besonderen Augenblicken angezündet und sie ist mittlerweile ziemlich kurz.

Gestern abend hat mich meine Freundin massiert, und als sie damit fertig war, auf dem Sofa saß und begann zu meditieren, hatte ich den Impuls, mit ihr vor den Altar zu treten, die Kerze anzumachen und einfach damit zu sein, vor diesem Altar für unser Kind zu stehen. Und so standen wir davor und ließen uns von dem Zauber des Augenblicks umfangen. Und auf dem Altar lag - zufällig und nicht zufällig - eine weitere außergewöhnliche Bienenwachskerze, die ich von der Familie meines Patenkinds zu Weihnachten bekommen hatte. Und plötzlich war klar, wenn die erste Kerze abgebrannt ist, dann wird diese den Platz einnehmen. Damit ist der Schrecken, dass die Kerze zu Ende ist und damit auch dieses Abenteuer plötzlich verschwunden.

Danach nahm ich unser Kartenorakel, die Erzengelkarten von Doreen Virtue zur Hand, die uns so oft schon Einsichten beschert haben - dazu vielleicht später mal mehr und ich ließ sie eine Karte ziehen, dann zog ich eine Karte und dann zogen wir vorsichtig eine Karte gemeinsam. Es war keine echte Frage, die wir gestellt hatten, eher die Idee, auch die Karten könnten in diesem Augenblick etwas sagen und sie taten es:
  • Für uns beide kam die Karte "Berufliche Veränderung", und es ist so stimmig, es wird sich durch das, was da passiert für uns beide etwas ändern. Zuerst für sie und dann auch für mich, auch wenn ich noch nicht weiß, was das bedeutet.
  • Für sie: "Sieg!" Diese Karte schillert in tausend Facetten: "Die höchste Kreativität einer Frau ist ein Kind zu bekommen" hatte eine Freundin geantwortet, als es darum ging, ob dieses Kind, die Idee von einem Kind, der Wunsch, gemeinsam ein Kind zu bekommen und groß zu ziehen vielleicht nur ein Symbol für etwas anderes, z.B. für noch zu erforschendes kreatives Potential ist. Ein anderer Aspekt ist, dass sie sich immer wieder unvollkommen, ungenügend vorkam, eben weil sie von meinem Kinderwunsch wusste, dem ihre Sterilisation entgegenstand und so ist dieses auch ein Sieg über dieses Gefühl …
  • Für mich "Wohlstand", und damit entspannte sich etwas in mir, es ist wie die Gewissheit, ich werde für dieses Kind, ich werde für uns sorgen können ohne mich dafür aufgeben zu müssen.

Sonntag, 22. April 2007

Ja, schwanger

Wie nennt man den Zustand, in dem wir, in dem sie jetzt ist? Wir wussten es nicht - und erst das Feedback einer Freundin brachte uns dazu: Ja, sie ist schwanger!

Ich kann, ich mag es noch nicht ganz zulassen, sie auch nicht - und doch, das wirklich zuzulassen ist eine große Unterstützung. Wir müssen nichts verstecken, nichts zurückhalten, kein wenn und kein aber. Ja, da ist ein kleines Lebewesen in ihrem Bauch, auch wenn es noch aus ganz wenigen Zellen besteht, und auch, wenn nicht sicher ist, dass es dort wirklich bleibt. Sie ist schwanger, wir sind schwanger.

Das war am Montag. Und ich merke es in mir, dass sich etwas geändert hat. Ich nehme sie anders war, ich nehme mich anders war zu ihr. Eine neue Welle von Zärtlichkeit, von Liebe, ich liebe sie als Mutter meines, als Mutter unseres gemeinsamen Kindes.

Allein für dieses süße, dieses neue Gefühl hat sich diese Reise gelohnt!

Mitten drin anfangen ist schwierig

... und dann noch mit einem sehr, sehr persönlichen Thema. Nun also, auf gehts:

Heute ist Sonntag. Ja, so weit so gut. Letzes Wochenende hatten wir da einen Tag Pause zwischen Entnahme der Eizellen und der Übertragung am Montag. Die einzige befruchtete Eizelle, die schließlich vorhanden war, ist in ihre Gebärmutter übertragen worden und nun haben wir zwei Wochen bangen, hoffen, rätseln, nicht wissen...

Und nun also wieder Sonntag und wir schwanken zwischen, ja, es hat sicher geklappt und der Ungewissheit, wie weit ist das, was wir spüren, spüren können, Realität. Was habe ich da gespürt? In dieser Woche habe ich immer wieder ihren Bauch massiert und auch versucht, mit den Händen die Energie in ihrem Bauch, in ihrer Gebärmutter wahrzunehmen.

Und ich meine, eine Entwicklung zu spüren, ausgehend davon, dass dort etwas neues, etwas wundervolles ist dazu, dass es sich wirklich verbindet, dass dieses neue Wesen, dieser kleine Zellhaufen sich wirklich in der Gebärmutter einnistet.

Am Dienstag war es wie eine kleine Kugel, die da ist, etwas lebendiges in seinem eigenen Feld.

Am Donnerstag dann Erschrecken: Ich nehme etwas war, ich merke sofort einen Punkt, ja wie einen Körper in der Mitte, mit einem Bild, wie ein Planet im All, ganz für sich, ohne Verbindung zu etwas anderem. Was bedeutet das? Funktioniert das einnisten nicht. Heisst das, es findet eben keine Verbinung statt? Also, weiterspüren, das Bild ist, dass da ein Planet auf seinem Platz im Universum ist, ganz für sich... und dann, als ob ich einen anderen Sender einstelle, ein neues Bild, es ob sich da etwas entgegenschiebt, eine Verbindung möglich ist.

Freitag abend ist dieses Bild stärker, die sich aufbauende Verbindung wird deutlicher, voller roter Energie und dieses Bild, diese Wahrnehmung stellt sich immer wieder auch am Samstag und Sonntag ein, wenn ich mich auf ihren Bauch eintune.

Nur: Ist das die Realität? Und ich weiss, dass ich kein anderes Bild sehen möchte!!! Wie weit forme ich mit meinem Wollen, meinen Ideen meine Wahrnehmung und wie weit richte ich sie nur auf das, was da ist, so wie ich mein Gehör in der Menge der Geräusche auf jemanden neben mir, auf eine Diskussion etwas entfernt, oder auf die Musik im Raum richten kann? Die Bilder entstehen unmittelbar, wenn ich mein Empfinden auf ihren Bauch richte. Und die Zweifel bleiben.

Und es ist gut, dass zu sehen, was uns jetzt unterstützt und die anderen Dinge nicht zur Kenntnis zu nehmen.

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Anzeichen oder nicht?
Vorhin bat sie mich um etwas Zeit um mir etwas mitzuteilen....
roter_salamander - 4. Mär, 21:48
Dankbarkeit - in guten...
Wir sind froh und dankbar für das, was wir in dieser...
roter_salamander - 31. Okt, 22:12
Sie wacht langsam auf
Nun kam endlich der Anruf, dass die Operation vorbei...
roter_salamander - 31. Okt, 21:57
Wartend und aus der Ferne...
Nun sitze ich hier im Kamps-Backshop und warte, dass...
roter_salamander - 31. Okt, 21:37
Verwirrungen
Sie hat dann tatsächlich bei dem Arzt angerufen… und...
roter_salamander - 9. Sep, 22:26

Suche

 

Status

Online seit 6991 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 4. Mär, 21:48

Credits


In Ungewissen
In-Vitro
Revitalisierung
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren